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Stephan Schilling
Sprecher des Bundesverbands der Grünen Jugend
Wie wollen wir in Zukunft leben? Um nicht weniger geht es
am 18. September. Soll jeder seines eigenes Glückes Schmied
sein - und wenn es nicht funktioniert: Pech gehabt? Oder wollen
wir unser Netz sozialer Sicherheit erhalten, das Lebensrisiken,
die jeden von uns treffen können, absichern? Soll es
uns egal sein, ob künftige Generationen unter dem Klimawandel
zu leiden haben? Oder wollen wir mit Klimaschutz und Energiewende
weitermachen? Soll die Kluft zwischen Arm und Reich weiter
wachsen und der Staat pleite gehen? Oder wollen wir in einer
solidarischen Gesellschaft leben, in der jeder und jede nach
ihrer Leistungsfähigkeit dazu beiträgt unser Gemeinwesen
zu finanzieren?
Bei dieser Wahl stehen nun zwei Agenden zur Wahl, wie auf
Probleme unseres Landes, auf die Massenarbeitslosigkeit, die
Krise der Sozialsysteme, die Umweltzerstörung und den
Klimawandel reagiert werden soll. Sie könnten unterschiedlicher
nicht sein:
Die Agenda von CDU und FDP zeigt, dass diese Parteien nicht
nur in der Außenpolitik die Büttel der Bush-Administration
aus den USA sind, sondern dass sie auch in ihrer übrigen
Programmatik den amerikanischen Neoliberalen und Neokonservativen
blinde Gefolgschaft leisten wollen. Ihr einfaches Credo ist:
mehr Markt - also weniger Steuern, weniger Regulierung, weniger
Sozialstaat - und schon wird die unsichtbare Hand Adam Smiths
die lästigen Probleme hinwegwischen. Umwelt- und Klimaschutz,
soziale Gerechtigkeit würden diese effiziente Problemlösung
nur behindern.
Dem steht am konsequentesten die grüne Agenda entgegen.
Unser programmatischer Anspruch ist es, nicht Umwelt gegen
Arbeit, nicht soziale Gerechtigkeit gegen wirtschaftliche
Dynamik auszuspielen. Unser Leitbild einer sozial-ökologischen
Marktwirtschaft steht für einen Kurs, der die natürlichen
Lebensgrundlagen erhält statt sie rücksichtslos
auszubeuten und gesellschaftliche Teilhabe für alle garantiert.
Unter Rot-Grün ist Deutschland in den vergangenen sieben
Jahren erste Schritte in diese Richtung gegangen: Mit der
Ökosteuer wurde der klimaschädigende Energieverbrauch
verteuert und gleichzeitig die Lohnnebenkosten gesenkt - eine
"win-win"-Strategie. Mit der Energiewende wurde
aktiv Klimaschutz betrieben und gleichzeitig mehr als hunderttausend
Arbeitsplätze geschaffen. In der Wirtschafts- und Sozialpolitik
wurde zwar mit den dringend nötigen Reformen begonnen,
allerdings konnte die SPD keine kohärente Zielsetzung
formulieren, so dass vieles richtig, aber auch einiges falsch
gemacht wurde - Beispiele hierfür sind die übermäßigen
Steuererleichterungen für hohe Einkommen und Unternehmen
oder die soziale Schieflage bei Hartz IV. Diese Lücke
kann GRÜN füllen. Fünf Leitgedanken stehen
im Mittelpunkt unserer Politik:
1. Weg vom Öl, ressourcenleichtes Wirtschaften
Grüne Wirtschaftspolitik steht in einer wachstumskritischen
Tradition. Einer Politik des "Wachstum um jeden Preis",
ohne Rücksicht auf Mensch und Natur, stellen wir uns
entgegen. Gleichzeitig sind eine Überwindung der drückenden
Erwerbslosigkeit, die finanzielle Sicherung des Sozialstaats
und der Abbau der Staatsschulden ohne wirtschaftliche Dynamik
nicht denkbar.
Die zentrale Herausforderung für eine zukunftsfähige
Wirtschaftspolitik liegt in einer Entkopplung von Wirtschaftswachstum
und Naturverbrauch. Statt Ökonomie und Ökologie
gegeneinander auszuspielen, geht es darum, die Chancen zu
erschließen, die in umweltverträglichen Energietechniken,
Werkstoffen und Produkten liegen. Wir wollen den Übergang
zu einer ressourcenleichten Ökonomie fördern durch
eine Konzentration der Forschungs- und Technologieförderung
auf umweltverträgliche Produkte und Technologien, durch
die Streichung von Subventionen, die den verschwenderischen
Umgang mit knappen Ressourcen begünstigen und durch eine
höhere Kostenbelastung des Naturverbrauchs durch Abgaben,
sowie der Weiterentwicklung steuerlicher Instrumente im Rahmen
der ökologischen Finanzreform oder handelbarer Zertifikate.
Unsere Strategie "Weg vom Öl" ist angesichts
des drohenden Klimawandels und der steigenden Rohölpreise
(und der vermuteten Preisentwicklung angesichts der boomenden
Volkswirtschaften in Indien und China) nicht nur ökologisch,
sondern auch ökonomisch alternativlos. Mit dem weiteren
Ausbau erneuerbarer Energien bleibt Deutschland Spitzenreiter
- beim Klimaschutz, ebenso wie beim Welthandel mit diesen
Technologien.
2. Kreativität, Bildung und Innovation schaffen
Arbeit
Viele Produkte, auf denen bislang unser Wohlstand basierte,
können mittlerweile günstiger in anderen Ländern
produziert werden. Die Konkurrenz um niedrigere Löhne,
schlechtere Arbeitsbedingungen und weniger Arbeitnehmerrechte
wollen wir nicht gewinnen. Wir setzen uns stattdessen auf
internationaler Ebene dafür ein, dass die gleichen Umwelt-
und Sozialstandards wie in Deutschland auch in anderen Ländern
eingehalten und eingeführt werden. Die Zukunft unseres
Landes liegt jedoch in innovativen Konzepten, kreativen Produkten
und gut ausgebildeten Menschen. Freiheit, Kreativität
und Selbstständigkeit brauchen aber soziale Sicherheit.
Wer ständig von Ausgrenzung bedroht ist oder in Armut
lebt, wird weder bereit ökonomische Risiken einzugehen,
noch wird sie innovativ und kreativ tätig sein können.
Deshalb wollen wir grüne eine soziale Absicherung für
alle schaffen - unsere Gesellschaft soll niemanden allein
lassen. Deshalb wollen wir Hartz IV grundlegend weiterentwickeln
- denn bisher hat diese Reform vor allem Verunsicherung gebracht.
Auf dem Weg zur grünen sozialen Grundsicherung wollen
wir deswegen die Regelsätze des ALG II auf ein armutsfestes
Niveau anheben, die Zumutbarkeitsregelungen entschärfen
und die Zuverdienstmöglichkeiten deutlich verbessern.
Der Weg in die Selbstständigkeit oder hoch qualifizierte
Jobs bieten nicht für alle Menschen in unserer Gesellschaft
eine Perspektive. Auch denjenigen, die keine Chance haben
auf den 1. Arbeitsmarkt zurückzukehren, lässt grüne
Politik nicht allein. Denn Arbeit ist mehr als Erwerbsarbeit
am 1. Arbeitsmarkt. Deshalb wollen wir neue Formen der Arbeit
- im gemeinnützigen Bereich beispielsweise - stärken
und Jobangebote zwischen Markt und Staat eröffnen.
3. Neue Jobs ohne Ausbeutung
Unbestritten gibt es in Deutschland Arbeitsplatzpotentiale
im Bereich personalintensiver Dienstleistungen. Union und
FDP wollen diese mit einer brutalen Niedriglohnstrategie heben,
die für große Bevölkerungsteile working poor,
also ein Leben in Armut bedeuten wird. Auch wir Grüne
wollen hier neue Jobs schaffen. Doch auch hier lassen wir
es nicht gelten, Arbeit gegen soziale Gerechtigkeit auszuspielen.
Stattdessen wollen wir mit einer Senkung der Lohnnebenkosten
im niedrigen Bereich - zum einen durch einen Steuerzuschuss,
zum anderen durch eine Umverteilung der Lohnnebenkosten durch
eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze im Rahmen der Bürgerversicherung
- hier mehr Dynamik erzeugen. Zugleich wollen wir mit einer
gesetzlichen Mindestlohnregelung, ergänzt um branchen-
und regionalspezifischen Regelungen, verhindern, dass Menschen
zu ausbeuterischen Armutslöhnen arbeit müssen.
4. Sozialstaat - einer von allen für alle
Richtig ist, dass die Sozialsysteme in der Krise sind. Falsch
hingegen ist, dass nur ein radikaler Abbau Besserung bringen
kann. Viele ökonomisch erfolgreiche Ländern leisten
sich ein umfangreiches Sozialsystemen - die skandinavischen
Ländern sind dafür ein gutes Beispiel. Aber die
Finanzierung des deutschen Sozialsystems ist überholt.
Mit der Einführung der BürgerInnenversicherung beenden
wir die einseitige Belastung des Finanzierung des Sozialstaats
durch Arbeitseinkommen und verteilen diese Last gerecht auf
alle Einkommensarten. Zugleich beenden wir die unsägliche
Fluchtoption der Besserverdienenden aus der Solidargemeinschaft
in die private Krankenversicherungen. Denn grünes Leitbild
für den Sozialstaat ist: Einer von allen für alle.
5. Einen schwachen Staat können sich nur die
Dummen leisten
Ein handlungsfähiger Staat ist zur Lösung der ökologischen,
sozialen und wirtschaftlichen Probleme unerlässlich.
Wenn dem Staat das Geld fehlt, um ein vernünftiges Bildungssystem
zu finanzieren, dann kann etwas nicht stimmen in diesem Land.
Auch die gravierende Schwäche der Binnenkonjunktur kann
der Staat zwar nicht alleine lösen, doch muss der Staat
neue Jobs in den neuen Dienstleistungsbereichen Bildung, Gesundheit,
Pflege, Kultur, Wissenschaft, Forschung, Ökologie etc.
mit einem Investitionsprogramm fördern. Aufgabe der künftigen
Bundesregierung muss es deswegen sein, die öffentlichen
Finanzen auf eine solide Basis zu stellen. Dazu sind das Streichen
überflüssiger Subventionen wie der Eigenheimzulage,
der Verzicht auf unsinnige Ausgaben wie viele militärische
Großprojekte und eine Erhöhung der Einnahmenseite
notwendig. Dabei gilt es vor allem bestehende Ungerechtigkeiten
im Steuersystem wie massive Steuerhinterziehung sowie die
unzählbaren Steuerschlupflöcher abzustellen. Doch
auch eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes, der Erbschafts-
und Unternehmenssteuern und die Wiedereinführung der
Vermögenssteuer muss angepackt werden.
Diese fünf Leitgedanken machen den Kern unserer Vorhabens
aus, in Richtung einer ökologischen und sozialen Marktwirtschaft
umzusteuern. Sie verwirklichen mehr wirtschaftliche Dynamik,
mehr Gerechtigkeit und mehr Ökologie. Anders als die
Agenda der Neoliberalen bergen sie die Chance, ein besseres
Leben nicht für wenige, sondern für alle zu schaffen.
Und das wäre zumindest das Ziel einer Regierung mit grüner
Beteiligung!
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Die Texte der "Jungen":

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Börn Böhning
Juso-Bundesvorsitzender
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Philipp Mißfelder
Bundesvorsitzender der Jungen Union (JU)
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Stephan Schilling
Sprecher des Bundesverbands der Grünen Jugend
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|
Johannes Vogel
Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen (JuLis)
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Die Texte zum "Jugengipfel" wurden uns
freundlicherweise von www.politikerscreen.de
zur Verfügung gestellt. Danke!

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