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Philipp Mißfelder
Bundesvorsitzender der Jungen Union
Wieder einmal ist eine sozialdemokratisch geführte Bundesregierung,
diesmal im Verbund mit den Grünen, vor dem Ende der Legislaturperiode
an ihr politisches Ende gelangt. Zerrieben zwischen der eigenen
Vorstellungswelt einer im scheinbar endlos steigenden Wohlstand
der alten Bundesrepublik sozialisierten Politikergeneration
und den realen Gegebenheiten einer zunehmend globalisierten
Welt, sah Bundeskanzler Gerhard Schröder keinen anderen
Ausweg mehr, als das rot-grüne Projekt als gescheitert
anzusehen und vorgezogene Neuwahlen auszurufen.
Angesichts dieser überraschenden und durchaus als dramatisch
anzusehenden Entwicklung scheint es ein Kontinuum der Geschichte
der Bundesrepublik zu werden, dass im Spannungsfeld einer
sich als fortschrittlich und progressiv gebenden Politik der
politischen Linken sowie ihrer daraus resultierenden ideologischen
Vorlieben einerseits, und der notwendigen Reformpolitik andererseits
ein unauflöslicher Widerspruch entsteht: Vor die realpolitischen
Notwendigkeiten gestellt, entfremdet sich die politische Linke
von sich selbst und - was weitaus schlimmer ist - treibt die
Menschen in eine misstrauische Abwehrhaltung gegenüber
der Politik.
Rot-Grün: "Anspruch und Wirklichkeit klaffen
auseinander"
Beispiele dafür, wie weit Anspruch und Wirklichkeit bis
heute auseinanderklaffen, lassen sich für die letzten
sieben Jahre genügend finden. Bereits zu Beginn des rot-grünen
Projekts wurden, wie etwa bei der Rentenversicherung, die
Reformen der Vorgängerregierung, die sich schon damals
als nicht ausreichend erwiesen, einfach wieder zurückgenommen.
Und schlimmer noch: Die Vorstellung, endlich "gestalten"
zu können, führte bereits zu Beginn der Regierung
Schröder zu einem derartigen Vertrauensverlust in der
Bevölkerung, dass für die SPD eine Wahl nach der
anderen verloren ging.
Das Projekt, das unter dem Slogan "Innovation und Gerechtigkeit"
gestartet war, bescherte den Menschen die Abschaffung der
630-Mark-Beschäftigungsverhältnisse, die später
mit großem Getöse - inzwischen umgetauft in "Minijobs"
- als arbeitsmarktpolitisches Zaubermittel wieder eingeführt
wurden. Anstatt unbestreitbar innovative Wirtschaftszweige
wie den gesamten Bereich der erneuerbaren Energien zu einer
Marktreife heranwachsen zu lassen, wurde hier ein Subventionsfass
geöffnet, das im Verbund mit der Ökosteuer die Energiepreise
derart erhöht hat, dass der Wettbewerbsfähigkeit
der deutschen Wirtschaft nachweislich Schaden zugefügt
wurde. Und anstatt die Arbeitslosigkeit wirksam zu bekämpfen,
wurden von JUMP bis Hartz IV unentwegt Reformen in Gang gesetzt,
als deren Ergebnis beispielsweise die Jugendarbeitslosigkeit
heute massiv höher als 2002 liegt und die zudem Milliarden
verschlangen.
"Trostlose Bilanz" nach sieben Jahren
Eine Bestandsaufnahme nach sieben Jahren Rot-Grün ist
dementsprechend trostlos. Die Schlaglichter dieser Wochen
lauten: Das Wirtschaftswachstum hat sich von durchschnittlich
2,2 Prozent in den Jahren 1990-1998 auf 1,2 Prozent in den
Jahren 1998-2005 fast halbiert. Die Arbeitslosigkeit liegt
bei fast fünf Millionen und hat sich auch nach der alten
Zählweise vor Hartz IV um 400.000 erhöht. Die Neuverschuldung
des Bundes ist von 29 Milliarden 1998 auf weit über 40
Milliarden Euro 2004 gestiegen, während gleichzeitig
die Investitionen des Staates um 30 Prozent zurückgegangen
sind. Der Schuldenstand des Bundes ist unter Rot-Grün
auf 890 Milliarden Euro gestiegen, was nichts anderes bedeutet,
als dass jeden Tag mehr als 100 Millionen Euro für Zinsen
gezahlt werden müssen. Jedes Kind in Deutschland kommt
heute bereits mit 17.500 Euro Schulden auf die Welt. Seit
2002 hat Deutschland jedes Jahr den Euro-Stabilitätspakt
verfehlt.
Da sich diese Aufzählung lange fortsetzen ließe,
muss konstatiert werden, dass Rot-Grün unser Land in
einem bedrückenden Zustand hinterlässt, der dem
Anspruch an Gerechtigkeit gerade im Hinblick auf die jüngere
Generation, die lange an der Hinterlassenschaft des Schuldenstaates
tragen wird, in keinem Punkt entspricht.
"Ausgeglichener Haushalt bis zum Jahr 2013"
Eine neue Bundesregierung unter der Führung von CDU und
CSU muss daher nach einer Bestandsaufnahme, die angesichts
der früheren Täuschungen der Öffentlichkeit
über den tatsächlichen Zustand der öffentlichen
Finanzen unumgänglich erscheint, sofort gegensteuern.
Dabei ist evident, dass das Fenster für die Neuordnung
unseres Gemeinwesens nur einen Spalt weit offen ist und dass
dieser Spalt mit jedem Tag enger wird. Nach dem Scheitern
von Rot-Grün kommt es auf einen echten Politikwechsel
an, der nicht bequem sein wird, für den CDU und CSU angesichts
der drückenden Probleme unseres Landes jedoch einstehen
werden. Ein zentrales Ziel dieses Neuanfangs muss dabei ein
ausgeglichener Haushalt bis zum Jahr 2013 sein. Dies wäre
das richtige Zeichen für eine Politik, die die Generationengerechtigkeit
ernst nimmt und jenseits einer erdrückenden Schuldenlast
auf der Grundlage eines Politikverständnisses, das den
Einzelnen und seine persönliche Entfaltung in das Zentrum
aller Überlegungen rückt, wieder realistische Perspektiven
bietet.
Ohne die Staatsgläubigkeit der rot-grünen Politiker
bekennen sich CDU und CSU aus ihrem christlichen Menschenbild
heraus zur Freiheit und Eigenverantwortung des Einzelnen.
Dazu wird es gehören, endlich tiefgreifende Reformen
am Steuersystem vorzunehmen, damit sich die Höhe der
tatsächlich zu entrichtenden Steuer nicht mehr an der
Qualität des Steuerberaters bemisst und persönliche
und wirtschaftliche Initiative nicht länger von den zeitraubenden
und letztlich unproduktiven Überlegungen zur bestmöglichen
Ausnutzung von Steuerschlupflöchern absorbiert wird.
In diesem Kontext einer Steuervereinfachung steht eine strukturorientierte
Reform der gesamten Steuer- und Abgabenbelastung, mit deren
Hilfe Lohnnebenkosten gesenkt werden können. Hierzu bildet
das gemeinsame Regierungsprogramm von CDU und CSU mit dem
Einstieg in die solidarische Gesundheitsprämie und einer
sofortigen Senkung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung
einen grundlegenden ersten Schritt, der die weiteren einleitet.
"Vorfahrt für Arbeit!"
Angesichts der strukturellen Arbeitslosigkeit, die in Deutschland
höher als bei unseren europäischen Nachbarn liegt,
besteht hier der dringendste Handlungsbedarf. Denn Arbeitslosigkeit
bedeutet nicht nur fehlende Einnahmen des Staates und der
sozialen Sicherungssysteme, sondern vor allem ein persönliches
Unglück für jeden einzelnen Betroffenen. Mehr Arbeitsplätze
werden aber nur durch stärkeres Wachstum geschaffen,
weswegen ein breites darauf gerichtetes Maßnahmenbündel,
angefangen von der Lichtung des Paragraphendschungels, der
bestehende Unternehmen jährliche Bürokratiekosten
von 46 Milliarden Euro tragen lässt, bis hin zu einer
Flexibilisierung des Arbeitsmarktes oder betrieblicher Beschäftigungsbündnisse,
zu den unmittelbar anzupackenden Aufgaben einer unionsgeführten
Bundesregierung gehören wird.
Alle Aspekte eines politischen Neuanfangs müssen aber
unter der Berücksichtigung des demographischen Wandelns
unserer Gesellschaft erfolgen, weswegen sie eine besondere
Dringlichkeit erhalten. Denn obwohl ein Gegensteuern angesichts
des immer ungünstigeren Verhältnisses von Erwerbsfähigen
und Transferempfängern erst langfristig Erfolge zeigen
wird, gehört es doch zu den unaufschiebbaren Aufgaben
einer unionsgeführten Bundesregierung, die Leistung der
Kindererziehung bei der Steuer, in der Rentenversicherung
und in der Krankenversicherung endlich angemessen zu honorieren.
Maßnahmen hierfür werden höhere Steuerfreibeträge
für Kinder oder ein ermäßigter Beitrag zur
Rentenversicherung für jedes Kind sein, wobei eine Arbeitnehmerfamilie
mit zwei Kindern und einem Freibetrag von 8.000 Euro pro Familienmitglied
sowie sonstigen Pauschalbeträgen zukünftig bis 38.200
Euro im Jahr steuerfrei bleiben wird. Zudem erhalten Eltern
eine Ermäßigung von 50 Euro auf ihren Beitrag zur
Rentenversicherung. Diese Maßnahmen sind nicht minder
dringend, denn sie dienen dazu, die Bedingungen für die
Familiengründung zu verbessern, was nichts weniger als
ein Stück Lebensqualität für den Einzelnen
und ein Stück Zukunft für unsere Gesellschaft bedeutet.
In nahezu allen Politikfeldern muss eine Umsteuerung von der
falschen Politik der letzten sieben Jahre hin zu einer Politik
erfolgen, die sich den Realitäten stellt und Probleme
anpackt, anstatt sie zu verschieben. Wir brauchen den Aufbruch
zu einer zukunftssicheren und generationengerechten Politik,
den die Junge Union immer gefordert hat. Dann wird sich in
Deutschland zuerst die Stimmung und bald auch die Lage bessern.
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Die Texte der "Jungen":

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Börn Böhning
Juso-Bundesvorsitzender
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Philipp Mißfelder
Bundesvorsitzender der Jungen Union (JU)
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Stephan Schilling
Sprecher des Bundesverbands der Grünen Jugend
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|
Johannes Vogel
Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen (JuLis)
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Die Texte zum "Jugengipfel" wurden uns
freundlicherweise von www.politikerscreen.de
zur Verfügung gestellt. Danke!

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